Freitag, 12. Dezember 2008

Nach Kleingeld suchen...

Die bessere Straßenbahn fährt in der Spittelau ein. Man steigt aus, ein kurzer Blick auf die Anzeige, der nächste Zug wird erst in vier Minuten hier sein. Eine Tür zu weit vorne für die Rolltreppe ausgestiegen. Doppellinks um die Brüstung, auf die Rolltreppe - rechts - stehen, nicht gehen.

Mohma N'Koufo ist zu schüchtern seine Zweifel zu äußern. Er steht am Startsockel und aus irgendeinem Grund weiß er bei diesem gewissen Ton muss er springen. Er wundert sich. Einen der talentiertesten Tontaubenschießer Südwestafrikas hat ihn die African Sporting Gazette kürzlich genannt.
Natürlich denkt er nicht an die Möglichkeit eines Übersetzungsfehlers aus dem Westafrikanischen. Der Bademeister bei der Schwimmweltmeisterschaft hat auch nicht gedacht, bei diesem Bewerb jemals einen Rettungsring werfen zu müssen.

Man steht schon lange am Ende der Rolltreppe, die vordere Hälfte der Fußsohlen schon am festen Untergrund, die hinteren Hälften werden nachgeschoben. Die Leute schauen, man kommt zu sich und geht hastig weiter.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Translatorische Bewegung zur Kassiererin...

Eine Expedition ins Niemandsland. Die Anreise untermalt von Krankenhaus TV Serien gegen die bevorstehende Verblödung.
Die Ankunft, bemannte Raumfähre, die Ankunft auf dem Planeten wird bei wolkenlosem Himmel sein sein. Dort gibt es keine Wolken. Auf der Oberfläche wechseln einander hügelige Züge - im wesentlichen Metalle, Silicium und schwefelige Verbindungen - sowie sumpfige - auf den ersten Blick durchaus bewohnbare - Küstenlandschaften ab. In den Meeren mehren sich alkoholische Kohlenwasserstoffe.
Erste Bohrversuche werden überraschende Erkenntnisse liefern. Unter der Kruste, zunächst 78% Stickstoff, 21% Sauerstoff, 1% Kohlendioxid und Edelmetalle - in gasförmigem Aggregatszustand, und stark erwärmt - soweit das Auge reicht.
Die Hitze lässt die Optik verschwimmen und verhindert die Entdeckung des heißen viskos-flüssigen Kerns.
Aber wenigstens die tektonischen Bewegungen an der Oberfläche sind bemerkenswert aktiv.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Eine einzelne Flasche am Förderband...

Im Schwimmbecken braut sich ein Gewitter zusammen. Dieses Stechen rechts im Hinterkopf, immer schon ein Zeichen für schlechtes Wetter. Und ab der dritten Länge verdunkelt sich das Wasser zusehends, sehr langsam aber kontinuierlich. Und es blitzt. Immer rechts. Wahrscheinlich hört man nur wegen der Musik im Ohr keinen Donner. Unruhig kommt es einem im Becken vor, in Länge zweiundvierzig so unruhig und dunkel dass man aus dem Wasser steigt.
Am Kopfhörerkabel rinnt ein roter Tropfen herunter.
Man nimmt den Stöpsel aus dem Ohr, warmes Blut fließt einem über die Hand. Verwundert fühlt man in den Gehörgang, doch das Blut kommt von weit innen. Es blitzt auch heraußen, immer stärker. Und das Gebäude beginnt zu wanken. Im rechten Auge blitzt es so sehr dass man Kopfweh bekommt.
Beim Abnehmen der Schwimmbrille fühlt man etwas Weiches am Hinterkopf. Man schaut auf die Hand und sie ist tiefrot.
Ein Kopfschuss, und nichts davon bemerkt.

Montag, 8. Dezember 2008

Auf die Kassa zusteuern...

Der Tag an dem kein Billa aufsperrte ...

Anundfürsich gilt für das Wetter in der letzten Zeit dass auf kalt warm folgt, auf warm kalt und dann auf kalt wieder warm.
Danach wird es wieder kalt und am darauffolgenden Tag wieder warm. (...) Der Tag an dem kein Billa aufsperrte begann laut Gesetzmäßigkeit kalt. Der nackte Fuß auf kaltem Stein. Die bloße Hand in falscher Straße. Kalte Hand im Spinnenbau.
Wärmer wurde der Tag als es dunkel wurde und somit entzog er sich jeglicher physikalischer Logik.

Noch gestern teilte mir der Hausverstand mit, der Hausverstand mit ansprechendem aber doch professionell distanziertem facebook-Profil, den Mönchskopf mit einem bloßen Messer zu bearbeiten sei dilletantisch, wenn nicht sogar arm. Und immer nur in Hälften kaufen sonst trocknet er aus. Und hobeln.
Dass meine Bank aus Irland kommt und der Inder Deutscher ist beschäftigt mich dann in Anbetracht des schweren Skalpierwerkzeuges für den Kopf nicht mehr so.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Vor der Kurve bremsen...

Ein Kälteeinbruch hat in Klosterneuburg immer einen ganz speziellen Charakter. Als erstes bemerkt man - wenn man in der Früh aus dem Hause tritt - natürlich nach der Kälte, die man aber irgendwie schon aus dem Fenster sehen kann - den Geruch.
Die Zuckerfabrik in Tulln ist dann auch von hier riechbar. Die ist aber nicht so charmant wie die Manner Fabrik.

Ein Föhneinbruch hat in Klosterneuburg immer einen ganz speziellen Charakter. Als erstes bemerkt man - wenn man in der Früh aus dem Hause tritt - dass es warm und windig ist. Und die ganz rechte Linde wieder einen Astverlust hinnehmen musste.
Wenn man dann durch dass große Tor geht will der Wind einen durch die Kaminwirkung schon fast wegblasen, wie einen 2CV hinter einer B747-400.
Auf der Straße kann man bei allen alten Leuten, und Klosterneuburg besteht zu 82% aus Alten, selbst die unter 30 Jährigen haben schon eine Altenrate von alarmierenden 14,4%, also bei fast allen Leuten, einen gewissen Linksdrall sehen. Die linke Hand wird in der Volksbank an diesem Dezembertag überdurchschnittlich oft zum Schreiben verwendet.
Schlaganfälle bevorzugen die rechte Seite.

Samstag, 6. Dezember 2008

Den Wagen ins Rollen bringen...


Permanently proud Ксения presents fearful Farin Urlaub & mit "Billy Corgan's Begleitbandbaukasten™" erstelltes Racing Team.


Freitag, 5. Dezember 2008

In den Einkaufswagen stellen...

Das ist ein Versuch meinerseits eine bestimmte menschliche Verhaltensweise zu beschreiben, ein hoffentlich nicht allzu kläglicher, da die Formulierung mich an die Grenzen meiner Muttersprache bringt. Denn ich habe heute auch gelernt -

Wer anderen in die Truhe schifft,
meistens nur die Schuhe trifft.

Es äußert sich als ein Gemisch mehrerer Eigenschaften, getragen glaube ich von einer gewissen Art der Selbsterkenntnis. Derjenige ist nicht der humorvollste Mensch. Wahrscheinlich in seinem Umfeld einer der Unflexibleren. (wobei flexibel das Zauberwort aus Lockerheit, Humor, Charme und Charisma ist)
Dann erzählt er diese Geschichte, vielleicht eine Gutenachtgeschichte. Man hat das Gefühl er sieht die Pointe auf sich zukommen, und er geht von Anfang an auf Nummer sicher. Keine Unsicherheit, aber auch kein Risiko.
Die Erzählart schlägt 6 Sätze vor der Pointe um und erhält einen scheinbar selbstgefälligen Unterton. Dann kommt die Pointe, sie wird circa dreimal so lange ausgeführt wie nötig und auch ideal.
Und dann folgt sie -
die dramaturgische Pause. Und er weiß genau einerseits erkennt man durch die Pause die Pointe ist vorbei, andererseits erzwingt er mit dieser Mischung Lachen, auch wenn es nicht echt ist. Ihm reicht das.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Der Anblick beruhigt...

Du steigst aus der Ubahn aus, und zwar aus einer echten, sprich U4, und dein Blick fällt ganz zufällig, weil du ja als Städter - Kinn zum Körper gezogen - versuchend transparent durchs Leben zu wandeln, keinerlei Eindruck zu hinterlassen - immer autistisch nach unten schaust, in den Spalt zwischen Waggon und Bahnsteigkante. Dort unten liegt ein Handschuh, du siehst ihn den Bruchteil einer Sekunde lang, langsamer werden in deiner Bewegung kannst du nicht, du würdest gnadenlos kollidieren mit anderen Menschen und -Ahhh Menschen.
Doch du siehst der Handschuh ist grasgrün, was zum Winter sowieso nicht wirklich passt, nur wenigstens schlägt er sich nicht mehr mit dem auch aber anders grasgrünen Gras, blickst dann doch kurz auf, gottseidank kein natürliches Licht in dieser Station, und siehst fünfzehn Meter vor dir ein Kind, die rechte Hand in grasgrünem Handschuh. Die linke Hand nicht.
Schade um den Handschuh, doch Aufmerksamkeit auf sich ziehen?
Die sind eh billig beim H&M.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Blick aufs Etikett...

Schwere Zeiten kommen auf die Wiener Linien zu. Die Europäische Union erließ kürzlich einen Bescheid, nachdem die U6 nicht mehr als U-Bahn geführt werden dürfe.
Aufgrund von Übersetzungsungenauigkeiten ist noch keine endgültige neue Titulierung gefunden worden, Favorit dürfte zurzeit wohl bessere Straßenbahn sein.
Doch diese Ansicht wird auch in den eigenen Reihen geteilt. Der Vorsitzende des Fahrgastbeirats, Professor Hermann K., konnte wissenschaftlich belegen dass die Effizienz der U6 fundamental der einer Straßenbahn ähnelt, abgeschlagen hinter den restlichen Ubahnlinien Wiens.
Des weiteren droht seitens der EU eine Klage, da die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen Rolltreppe und schwarzem Armding oft die tolerierten 1,0032 km/h überschreitet. Es wird ein Untersuchungs- und Testkommitee eingerichtet, so in einer Presseaussendung.

Weh oh weh
Und die Vögel singen nicht mehr.

Montag, 1. Dezember 2008

Man hebt sie hoch...

Praktisch jede Wand hier wird von einer Tür durchbrochen, da erkennt man leicht und ziemlich genau die Stärke. Ob Ziegel einreihig oder doppelt beplankte Gipskartonplatten merkt man allerdings erst durchs daranklopfen.
Gipskarton.
Der (schon oft bescheinigte) große Kopf würde unsanft ein großes Loch in die Wand reißen und den Immobilienwert erheblich senken, es sei denn es gibt immer was zu tun. Der Kopf bliebe unverwundet. Weitgehend.
Nun sind aber Verletzungen und Demolierungen einzig am eigenen Körper legal, und man will sich nicht wegen Sachbeschädigung einer Gipskartonwand verantworten müssen.
Selbstverstümmelung ist nur dann rein, pur, ehrlich, gut und gerecht wenn der eigene Körper als einziges Schaden nimmt.
Die Nachbarn sehen gerade fern, als sie an der anderen Seite der Wand einen dumpfen Stoß hören und sich ein dünner Riss kaum merklich bis an die Decke fortpflanzt.