Donnerstag, 15. Januar 2009

Finger an die Schläfen setzen...

Die Situation steuert unaufhaltsam darauf zu außer Kontrolle zu geraten.

Ein leises Knacken.
Auf der Wand vor dir siehst du einen Fleck immer größer werden. Ein hauchdünner, roter Strahl schießt dir aus der Stirn. Die Gehörgänge beginnen wehzutun, sie ziehen an den Innenohren. Sie wollen weg.
Der Riss in der Stirn setzt sich über den Haaransatz hinweg fort. Du schaust nach oben, ein schmaler roter Streifen an der Decke. Der Druck wird größer. Der rechte Gehörgang hält dem Zug nicht mehr stand. Jetzt also auch noch ein massiver Strahl nach rechts.
Und dann zerreißt es das Scheitelbein. Ein größeres Stück reißt noch ein Loch in die Wand.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Verharren...

Du wurdest gewarnt. Dein Hirn begreift diese Warnung auch. Doch du wirst nie wissen wie es wirklich kommt. Erinnern kann man sich als Mensch, Erinnerungen kombinieren, ummünzen dass man glaubt zu wissen was einen erwartet.
Die Schleuse öffnet sich. Mit dem ersten Tropfen merkst du es wird anders sein als gedacht. Dramatischer.
Das Wasser steht dir bis zur Hüfte, wohin du blickst Wellen und Wogen. Das Plätschern erinnert an Kindergeschrei. Du begibst dich in einen Winkel wo du hoffst das Wasser strömt vorbei.
Und dann sagt eine größere Welle, ein mittlerer Tsunami, er müsste aufs Klo und zehn Minuten später hat man Angst ihn ja nicht einzusperren.

Dienstag, 13. Januar 2009

Augen schließen...

Wie der Tag auch immer begonnen haben mag wäre doch ganz egal, denkt man, wenn es doch nur einen Moment gäbe in dem man lacht. Oder lächelt dass das Gesicht warm wird. Wenn man dann auch noch bei sich ist, kein sich nervös aufbauschendes Gelächter in einer Runde, dann wird kurz der ganze Körper warm. Oder vielleicht ein Schauer.

Du sitzt in der Straßenbahn, es ist Sommer, eine Frau in Sandalen geht an dir vorüber. Dein Blick zu Boden gekehrt fällt auf ihre Zehen, und dein Gesicht wird warm.

Montag, 12. Januar 2009

Das Linke abdriften sehen...

Der Wind trägt das Blatt Zeitungspapier nun schon einige Minuten durch die Gegend. Mal hebt er es bis über die Oberleitung der Straßenbahn, mal lässt er es das Kopfsteinpflaster entlangfegen.
Du sitzt in einer alten Type-E Straßenbahn, im Beiwagen und sehnst dich nach dem Platz über der Heizung auf dem eine junge Frau mit einem Schwert ringt.
Plötzlich klatscht die Seite Zeitung gegen die Scheibe, direkt neben dir, instinktiv drehst du deinen Kopf und kannst noch ein Satzfragment lesen ehe die entgegenkommende Straßenbahn sie unter sich zieht und mit dem rechten Spurkranz zerschneidet.
"- der Schuss löste sich aus der Dienstwaffe und traf die in Flammen stehende, am Galgen baumelnde in siedendem Öl badende -"

Sonntag, 11. Januar 2009

Die zwei Bilder werden asynchron...

Der Beifahrer reißt seinen Blick weg von der sich scheinbar unter ihm hinweg schlängelnden Leitlinie. Er schaut den Fahrer an, der auffällig konzentriert wirkt.
Ich mag Rücken sagt der Beifahrer, wendet seinen Blick aber der Dunkelheit draußen zu. Und lange Messer haben die unangenehme Eigenschaft manchmal auch den Rücken zu beleidigen.
Der Rücken kann wirklich schön sein meint der Fahrer, gibt seinem Beifahrer aber zu verstehen dass er jetzt lieber nicht reden würde.

Samstag, 10. Januar 2009

Sehschärfe einbüßen...

Dressed like a wedding cake...

Hinter dem Mercedes kauerst du, wartest bis die Gefahr vorbei ist. Doch dank deiner fragwürdigen Gabe erhebst du dich just im falschen Moment. Du hast es gewusst. Hättest du noch eine Minute gewartet hättest du ihn von hinten gesehen. Ungefährlich.
Doch nach einer Minute hättest du dir nur dieselbe Frage gestellt. Und er wäre da gewesen. Du wärst immer zu früh gewesen. Immer um die eine Minute.

By the way, Dick Laurent's dead...

Freitag, 9. Januar 2009

Spüren wie die Augen abstumpfen...

Ich werde in die Tannen gehen...

Der Schall bahnt sich um zwei halbgeöffnete Türen seinen Weg zu den Ohren. 7:31 kommt gleich. Man will den Bienenstock umarmen.
Das Wasser um einen wird weniger. Man hat sich für bläulich entschieden, gegen Erkältung. Jedes Blinzeln wirft einen auf den Highway, man sieht nur die Leitlinie. Bei Nacht, in den Lichtkegeln des Autos. Blau war keine gute Idee.
Der schwindende Auftrieb lässt einen das Gewicht jedes einzelnen Haares am Körper spüren. Einmal die Augen schließen, einmal noch bei Nacht fahren. Man wird immer schwerer.
Gewinnenden Blick aufsetzen, Situation behübschen, abtrocknen.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Resignierend seitlich zu Boden blicken...

Ohnmacht. Hilflosigkeit.
Du hast gerade in der Roßauer Lände die Geleise der U4 überquert, die Bahnsteigkante ist höher als gedacht, das erste Mal siehst du die Station aus dieser Perspektive. Wahnsinn wie schmal 1435 Millimeter sind. Ein fester Tritt auf die gelb verpackte Stromschiene, den Gleichstrom unter dir missachtend. Das zweite Gleis wirkt breiter. Du steigst auf den Gegenbahnsteig.

In der Ubahn hast du Zeit und Muße die Deckenverkleidung zu begutachten. Pro Wagen 17 Platten zu je 121 mal 60 Löchern. Reihe in der Mitte, Symmetrie. Bei drei Doppelwagen pro Garnitur viel Zeit alleine.
Besser wird es aber nicht.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Am Boden bleiben...

Man sieht zwei bare Füße. Lange, schlanke große Zehen (nicht adjektivisch groß sondern namentlich, als Daumenäquivalente). Nur die Zehen stehen am Boden. Ihre Spitzen.
Ein merkwürdig anmutender Tanz, ein Tanz um eine leere Mitte. Eine Leichtigkeit überschattet von nervösen, allzu schnellen und hektischen Bewegungen.
Nach genauerem Hinsehen merkt man, nicht die Füße alleine können das ganze Gewicht des erahnten restlichen Menschen tragen, der Dachstuhl trägt mit.

Morgen Zeit? also am Achten?

Dienstag, 6. Januar 2009

Probieren sich vertragen zu lassen...

Jakub, gib den Strick wieder her

Aus einem wirren Traum wacht man auf, begonnen hat er mit dem Wuff und aufgehört mit dem Silvesterfeuerwerk in Tel Aviv.
Man schreckt hoch, sitzt im Bett, die dünne Decke hat vermieden, dass man das schweißnass tut. Man denkt an das eine Mal als die Rakete im Schnee festgefroren war und man mitten im Feuerwerk stand. Hauptsächlich rot und grün.

Ein tragisches Missverständnis. Oder eher ein administrativer Fehler. Oder ein Softwareproblem.
Die offensichtliche Nähe des gelobten Landes zum ehemaligen Zweistromland Hammurabis spiegelt sich im überholten Gerechtigkeitssinn in ebendiesem (ersteren) wider. Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Die militärische Strategie eines von Infusionen und Beatmungsgeräten am ungesunden Leben gehaltenen Staates.
Jedenfalls gibt die Sekretärin, da man mit 50 Opfern auf beiden Seiten spekuliert 100.0 : 100.0 in ihre Excel Tabelle (in der Spalte Augen) ein. Der . als solches ist im hebräischen nicht als Komma bekannt, darum wird eine Fehlermeldung, angezeigt durch ein Rufzeichen am Ende des Ausdruckes, erstellt.
100.0 : 100.0!
Faktorielle.
Arme arme Ureinwohner.