Donnerstag, 28. Juli 2011

Brechreize bekämpfen...

II

Schon seit Jahren hat er keine Symptome mehr gezeigt, es hat ihn nie beschäftigt. Der Arzt früher mit seinen Durchhalteparolen aber irgendwie hat er in letzter Zeit eher lächelnd daran zurückgedacht.
Jetzt, in dem Hotelzimmer hier in Bogotà ist alles auf einmal wieder da.
Der Straßenlärm selbst für hiesige Verhältnisse diesen Abend viel zu laut, so viel Dreck in der Luft, dass das grellgrün leuchtende Notausgangsschild neben dem Balkon nur schwer zu erkennen ist. Die Hitze ist nur durch sein Fieber erträglich und dabei denkt er welch Ironie ihm da nicht gerade begegnet.
Die Verbindungstür zum Nebenzimmer lenkt dann auf einmal seine Aufmerksamkeit auf sich. Nicht die Tür, viel eher die Schnalle.
Daran sieht man, dass es hier doch einmal Geld gegeben hat, bis auf den Namen hatte man in diesem Hotel nicht viel davon gesehen.
Und jetzt diese Schnalle aus abgegriffenem gelblichen Elfenbein.
Die stupide drehende Bewegung des Ventilators an der Decke bringt ihn dazu sich zu übergeben, nachdem ausspucken macht er die Augen zu.
Er summt wieder diese Melodie.

Sonntag, 24. Juli 2011

Versuchen, Distanz zu gewinnen...

I

"Wenn eine Frucht austrocknet, wenn sie verletzt wird und ihre Haut Narben abbekommt, dann sammelt sie in ihrer Not all die Flüssigkeit und all das Leben um den Kern, tief drinnen ist sie dann ja viel --- ".

Hätte er es bloß geschafft diesen Gedanken bis zum Ende in Worte zu fassen. Er greift zum Glas und nimmt einen tiefen Schluck. Vermutlich aus Verlegenheit. Ihr freundlicher Blick, ihre fröhliche Art und doch diese Melancholie, die er immer wahrnimmt, bringen ihn aus dem Konzept. Er greift sich an die Schläfe und bemerkt dabei, dass seine Haare noch feucht sind und der Wind weht. Er stülpt sich die Kapuze über den Kopf und streckt mit den Armen sein eingeschlafenes linkes Bein.

"Irgendwie ergiebiger, aber das ist es noch nicht."

"Schöner." Sie sagt das eindringlich und trotzdem beiläufig, einfach so. Sie nimmt einen Zug von ihrer Zigarette und schaut auf die Straße, schon einen Gedanken weiter, wie ein Kind das von jeder Kleinigkeit abgelenkt wird.
Schöner also, denkt er und kurz, nur einen Sekundenbruchteil lang - das ist ihm wichtig festzuhalten, er ist ja ein Mann - muss er mit den Tränen ringen.

Montag, 4. Juli 2011

Nachlassen...

Wir sitzen am Badewannenrand. Die Hosenbeine hochgekrempelt. Den von Kalk gezeichneten Thermostat drehen wir auf und das heiße Wasser fällt kontinuierlich auf den Wannenboden. Als die fortschreitende Wasserfläche unsere Füße benetzen, zucken wir zusammen, ob der hohen Temperatur.
Nach vier Minuten und acht Zentimeter Wasserstand, schaukelt sich das zuströmende mit dem vorhandenen Wasser in irgendeiner Form der Resonanz derart auf, dass sogar unsere Gesichter was abbekommen. Nach acht Minuten und vierzehn Zentimeter stellt sich das konstante, sonore Rauschen an, das mit steigendem Wasserspiegel dann halt ein bisschen an Nachdruck verliert, aber nicht mehr die Charakteristik ändert.

Samstag, 2. Juli 2011

Sich selbst das Blut abschnüren...

Es ist vergleichbar wie wenn ein kleiner Felix hinfällt. Die erste Emotion ist eine gewisse Überraschung, ein Verdattertsein, völlig perplex. Die Reaktion der Mutter, die - und das weiß das Kind - zwar nicht unmittelbar mitfühlen kann, aber doch ein Hintergrundwissen hat, das der kleine Scheißer noch nicht hat, ist mitunter entscheidend.
Sorgt sich die Mutter nun übermäßig um ihn, dann merkt er es passt etwas nicht und weint. Wenn sie den Sturz aber kaum beachtet, schenkt auch der Felix dem kaum Bedeutung.
Wenn er dann aufsteht und der Fuß tatsächlich mehrfach kompliziert gebrochen ist, dann beginnt er ja eh noch früh genug zu weinen.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Mit dem Arm gegen den Lederriemen ankämpfen...

Als du in der Früh in den Spiegel schaust, erschrickst du beim Anblick des Eiterbällchens im linken Augenwinkel. Es brennt so stark, dass das ohnehin glasige Auge zu tränen beginnt. Im Radio, das du aus irgendeinem Grund angeschaltet hast, redet ein Optimist vom erfolgreichen, beschrittenen Weg in eine friedlichere Welt. Doch das Auge ist rot, rot wie ein Auge halt sein kann, in Wahrheit ein Weiß mit leichtem Rosastich, doch bei Augen ist der Mensch sensibilisiert. Auch die Pupille wirkt größer und träger als beim Rechten, Kraft Ausstrahlenden. Mit der linken Hand wischt du den Eiter weg und das frische tiefrote Blut auf deinen Fingern benetzt das Auge.
Einen Moment siehst du durch die rosarote Brille.

The reasons all have run away but the feeling never did

Mittwoch, 29. Juni 2011

Den Reiz kaum noch ertragen...

* ... am i supposed to do, just lose and lose?

Dienstag, 28. Juni 2011

Mit juckender Armbeuge...

... *


© either sgt pammerino or me, well never no.

Montag, 27. Juni 2011

Festgeschnallt werden...

Du hörst sie schon länger, die Bombe, deren Fall - angefangen im Ultraschallbereich - ein immer tiefer werdendes, lauteres, mittlerweile sogar dröhnendes Pfeifen von sich gibt. Alleine an der Tonhöhe und wegen der ganzen Filme weißt du, dass sie gleich einschlagen wird.
Dennoch, oder gerade deswegen, drehst du dein Gesicht langsam gegen den Himmel. Der kleine schwarze Punkt - du wartest gebannt. Reines Interesse an dem bevorstehenden Ereignis erfüllt dich. Keine billigen Emotionen würdest du selbst sagen.
Und gerade als der Punkt dann beginnt in wahrnehmbaren Größenordnungen zu wachsen, trifft dich von links so eine Arschloch Revolverkugel und nimmt deinen halben Kopf mit.

Sonntag, 26. Juni 2011

Bettruhe um sechs...

"Wie in ein Kaleidoskop zu schauen!"

Aus kurzer Geistesabwesenheit holt ihn das Kaleidoskop wieder zurück. Das interessiert ihn.

"All das Bunte, Wohlbekannte, vertraut die Formen und vertraut die Farben, aber immer neu zusammengewürfelt."

"Und das in einem geschlossenen System" wirft er jetzt ein. Sein Gegenüber schaut ihn überraschend erfreut an. Offenbar hatte der nicht damit gerechnet, dass er den Gedanken weiterspinnen würde, ihm folgen könne.

"Solange es lichtverändernd wirkt, ist es gut."

Dann nicken sie beide wissend und es sieht etwas grotesk aus.