Mittwoch, 5. Juni 2013

Gratwandern ...

So gestochen scharf hast du die Sirene am Dach der Schule schon lange nicht mehr gesehen. Es ist kurz vor zwölf und es ist Samstag, du bist in gespannter Erwartung des absolut berechenbaren, tausendmal gehörten Geheuls. Das Stimmengewirr in deinem Wohnzimmer hat dich aufgebracht, die Gefahr, wenngleich nicht drohend, ist latent präsent, irgendwie wie die Sirene.
Doch jetzt stehst du am Fenster, hinter dir wird mit demonstrativer Geschocktheit und sensationslüsterner Hysterie gemutmaßt und angeschuldigt, gefürchtet und gehofft, weil, jetzt wo sie verschwunden ist, offenbaren sich die Abgründe der Kleinstadtseelen. Ob es krank ist, jetzt auch noch all diese Leute, ihre besten Freundinnen und penetrantesten Verehrer einzuladen?
Der Garten liegt vor dir, durch die Geländestufe gleich vor dem Fenster siehst du praktisch aus Löwenzahnperspektive in dieses grüne Reich und ein Gefühl der Geborgenheit macht sich breit. Schon seit deiner frühesten Kindheit war der riesige Gemeinschaftsgarten dein Reich, Rückzugsort und geheime Oase mitten in der Stadt. Als vor einigen Jahren am Nachbargrundstück eingebrochen wurde und daraufhin vier Polizisten, einer sogar in Anzug und nicht in Uniform, die Zäune begutachteten, fühlte sich das derart beklemmend an, dass der Garten von Eindringlingen heimgesucht wurde, und dieses Gefühl, dass dein Paradies ein vielleicht doch nicht unüberwindbarer Rückzugsort, doch nicht der Ort der völligen Narrenfreiheit war, hielt noch Wochen lang an. Dass am Sonntag darauf auch noch die Hasen starben, das bewies nur, dass die Polizisten nie wieder kommen dürften, nie wieder.

Mittwoch, 29. August 2012

Zielstrebig an den Rand der Orientierungslosigkeit wandern.

Und dann hätte ihn fast der Blutrausch gepackt. Zumindest stellt er es sich jetzt so vor. Die Diskrepanz zwischen seinem Gefühl, er sei soweit, etwas zu tun und dem, was er dann auch tatsächlich getan hat, ist groß. Diese langen Planungen waren es dann an irgendeinem Punkt, nach zwölfmaligem Wenden und Beleuchten aus allen erdenklichen Blickwinkeln, die alle Ideen am Ende irgendwie absurd, kindisch, übertrieben, kitschig oder humorlos dastehen haben lassen.
Doch diesmal war das anders, sinniert er in der Badewanne. Mit der Glut lässt er vereinzelte, größere Blasen in der Schaumlandschaft vor sich zerplatzen. Das Fenster ist geöffnet und aus der Dunkelheit streift ihm ein erstaunlich kühler Wind über die feuchten Haare. Er schaut ihr zu, während sie so in der Dusche steht, durch das grünlich getönte, milchige Glas und doch kann er die Bedächtigkeit in ihren Bewegungen erkennen.
Er fasst all seinen Mut zusammen, hält die rechte Hand übertrieben hoch in die Höhe, um ja die Glut nicht auszulöschen und lässt sich entlang der Wannenkrümmung nach unten rutschen.
Sein Arm ragt wie ein Leuchtturm aus den weißen Dünen als sie aus der Dusche kommt.

Sonntag, 29. Juli 2012

Ein Fünfstundenwimpernschlag oder die Sprache wiederfinden.

Sich nicht mehr zuzutrauen, die Sprache, die man so liebt, gut genug zu formulieren und artizukulieren, um bei erneutem Lesen noch immer nicht mit zu großer Scham erfüllt zu werden veranlasst einen zu Schweigen. Hoffentlich.
 Am Rücken zu liegen, das Gefühl zu haben, der Körper ist nicht stark genug, das eigene Gewicht und die Struktur zu halten und erhalten, an die Zerbrechlichkeit des Brustkorbs denken und dass alles an einem faustgroßen Muskelknäuel hängt, was in diesem Moment derart lebensmüde wirkt, das bringt einen dazu aufzustehen.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Melodie aus einem Radio von irgendwo ...

Es ist ein Deja Vu.
Wieder dieser Zwischenraum, nur dass er jetzt einen größeren Schritt erlaubt, in die klarkalte schönheit.
Wieder verbindet die die kleine Glut, nur jetzt als Eckpfeiler eines Gerüstes, auf beiden Seiten, und grün in der Farbe.
Wieder bist du alleine und doch auch nicht. Nur dieses mal ist das anders, eine mysteriöse Distanz, und man atmet auf, dass man es so doch lieber hat.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Wortlos...

III

Vorfreude kennt keinen Regen.

Sonntag, 20. November 2011

Erkenntnis ...

II

Lass die Venen wärmen und sterben.

Samstag, 19. November 2011

Ahnung, dass es gleich verblasen wird ...

Ein schöner Satz

Ich glaub du bist jemand der das Leben von Manchen viel besser macht.

Dienstag, 15. November 2011

Aber auch Glücksgefühl fährt ein ...

Man betritt den Raum und begeistert sich an der Nähe und an dem Bild. Und plötzlich, zwar noch immer ohne Lösung, aber man weiß sie hängt direkt vor einem, weiß man ganz genau, dass man bald wissen wird, where shadows collide with people. Und zusammen, ausgehend von diesem Felsen auf der Bergwiese, kommt man darauf und ist schon überwältigt bevor es überhaupt begonnen hat. Und so überwältigt bleibt man bis wohl der Schlaf das wieder zurechtrückt.

Mittwoch, 9. November 2011

Die Synapsen verstärken im Akkord...

Außer Atem kommt er zur Türe, in der Eile braucht er viel länger sie aufzusperren als normal. Er wirft den Schal auf die Kommode und dreht alle Lichter auf, die er in der Wohnung aufdrehen kann. Dunkel ist es draußen, es nimmt ihm den Atem und er hat das Gefühl, dass Licht das ändern kann, wenn irgendetwas das kann. Das Licht wärmt. Es blendet aber auch so stark dass seine Augen unkontrolliert zu tränen beginnen. Er fragt sich in seiner aufsteigenden Ohnmacht, warum er denn so gelaufen war. Die Vergangenheit holt einen nicht ein wie ein Verfolger, nein sie lauert auf und stellt sich mit voller Größe vor einen und zeigt einem Bilder von Sachen die man nicht kannte und deren Ahnung schon Risse ins Gemüt getrieben hatten.

Keiner mag raunzende Menschen heißt es.